Reiseberichte
- Leben in Nong Takham (Nov - Dez 2011)
- Thailand Volunteers - Ferien ohne weitere Auswirkungen? (Jan - Feb 2011)
- Das Alltagsleben als Thailand Volunteer in Nang Rong (Sommer 2010)
- Wunderschöner Thailandaufenthalt (Jan - Feb 2010)
- Ein Tag im Leben eines Thailand Volunteers (Jan - Mar 2010)
- Farang im Land des Lächelns (Dez 2009 - Jan 2010)
- Anekdoten aus dem Leben in Nang Rong (Nov - Dez 2009)
- Volunteering in Thailand (Sommer 2008)
Leben in Nong Takham
von Yvonne, Nov - Dez 2011Während der Woche lebe ich in Nong Takham (ich weiss erst seit kurzem wie das Dorf heisst, kann überhaupt kein Thai lesen, habe mich mit dem Velo auch schon verfahren...), 5 km entfernt von der Stadt Nang Rong bei einfachen Reisbauern. Der Gastvater ist noch Schulbusfahrer und arbeitet hie und da für Wick. Er kann Englisch, da er früher auf See gearbeitet hatte, seine Frau und deren Sohn wenige Englischwörter. Ich lebe einfach, aber sehr idyllisch. Den einzigen abtrennbaren Raum im Haus darf ich nun bewohnen. Ich schlafe unter einem Moskitonetz und sehe vom Bett aus Palmen. Duschen heisst hier, sich Wasser mit einem Becken über den Körper zu giessen, einen Kühlschrank gibt es nur bei der Grossmutter nebenan, bei der ich ein paar Toblerones für Notfälle einlagern durfte. Meinem Bauch ging es jedoch auf der ganzen Reise nie so gut, denn die Gastmutter kocht immer frisch mit Zutaten von Feld und Garten, ausserdem gibt es rund ums Haus viele leckere Früchte wie Kokosnüsse, Orangen, Bananen, Pomelos und Papayas. Thais essen gern und viel und zwar Reis am Morgen, Mittag und Abend. Ich liebe Thaifood, der eine Fülle von Kombinationen zulässt und von unscharf bis sehr scharf reicht.
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Das Dorf kann man sich in etwa so vorstellen, dass Häuser (von Hütte bis recht komfortablen Gebäuden) in recht grossem Abstand zueinander in einer Art Kokos- und Bananenwald stehen. Da ich per Velo unterwegs bin, kennen mich viele Bewohner mindestens vom Sehen her. Sie grüssen freundlich, immer mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.
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Zurzeit ist die Reisernte in vollem Gange. Die Felder der einzelnen Familien sind unterschiedlich gross und liegen zum Teil weit verstreut auseinander. Für grössere Anbauflächen lohnt sich das Mieten einer Erntemaschine, in kleineren Feldern wird der Reis nach alter Tradition von Hand geschnitten und zu Garben gebunden. Familie und Freunde helfen mit und anschliessend wird zusammen gesessen, geplaudert, gelacht und getrunken. Reis wird auf Feldern oder auf der Strasse getrocknet und für den Transport wird der Schulbus kurzerhand umfunktioniert. Reisstoppeln dienen Wasserbüffeln und Kühen als Futter.
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Die Schule liegt etwa 2 km entfernt zwischen zwei Dörfern. Ich unterrichte von P3 bis M3 (8-16 Jahre). Seit Sommer hat diese Schule eine Englischlehrerin angestellt, deren Hintergrund jedoch Businessenglisch und keine Lehrerausbildung ist. So haben wir gemeinsam entschieden, dass wir zu zweit im Klassenzimmer sind, denn die Englischlehrerin möchte mehr über verschiedene Lernformen erfahren. Der Level aller Klassen ist sehr tief, so dass ich mir ohne weiteres zutraue, auch die oberen Klassen zu unterrichten. Die Klassengrössen variieren zwischen 21 und 38 Schülerinnen und Schülern. Am Mittag esse ich mit einigen Lehrerinnen und dem Vizedirektor in der Schule. Die Köchin verwöhnt uns sehr. Die meisten Thailehrerinnen können wenig Englisch, so dass sich die Konversation beschränkt. Mit der Englischlehrerin jedoch kann ich mich gut unterhalten. Sie ist es denn auch, die mir so manches erklärt (Bräuche, Übersetzungen der Kolleginnen). Der Morgen beginnt mit Fahnenhissen, Gebet und dem Singen der Landeshymne. Der König ist allgegenwärtig in Bildern und Statuen und wird sehr verehrt. Der eigentliche Unterricht beginnt um 9.00 und endet um 15.00 Uhr. Die Einrichtung ist weitgehend veraltet, aber Kopien werden eh kaum abgegeben. Hier wird vor allem frontal unterrichtet, viel vorgesagt und nachgesprochen. Die Kinder sind begeistert, dass ich etwas "Neues" ausprobiere. Am Nachmittag bereite ich in der Schule vor und radle dann heim. Am Abend plaudern wir in der Familie und gehen früh zu Bett, denn bereits um 5.00 Uhr ist jeweils Tagwache.
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Das buddhistische Lichterfest ist ein spezieller Anlass, für den die Menschen wunderschöne Lichterschalen basteln und diese nach Gesang, Musik und Gebeten im Tempel in ein nahes Wasser setzen. Ich war zunächst mit der Schule in einem Tempel, dann mit der Familie in einem anderen und schliesslich noch mit einem Teil der Dorfgemeinschaft in einem Nachbarort an einem Fest bis Mitternacht. Es wurde viel getrunken, getanzt und gesungen.
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Ich fühle mich recht wohl hier. Das Leben in der Familie weitab vom Massentourismus gibt mir einen guten Einblick ins Leben der Thais. Der Englischunterricht nur für einen Monat ist etwas kurz, aber vielleicht gelingt es mir ja, einige Kinder für Englisch und die Englischlehrerin für neue Lernformen zu begeistern...
Thailand Volunteers - Ferien ohne weitere Auswirkungen?
von Corinne, Jan - Feb 2011Haha, wer das denkt, ist gehörig auf dem Holzweg. In meinen 2 Monaten in Nang Rong habe ich Einblick in ein mir fremdes Leben bekommen. Dies hiess, mich der fremden Kultur anzupassen, das Schulsystem kennenzulernen, in einer Familie zu leben, in der es keine gemeinsame Sprache gab und sich mit 1000 neuen Situationen auseinanderzusetzen und anzufreunden. Tönt dies für euch abschreckend? Dann lasst euch Folgendes gesagt sein:
"Diese 2 Monate gehören mitunter zu den besten meines Lebens."
Weshalb, fragt ihr euch? Lest weiter und ihr werdet es verstehen.
Zuvor noch nie in Asien gewesen, war ich ein absolutes "Greenhorn" in Sachen Thailand. Kaum dort
angekommen, stürmten neue Eindrücke aller Art auf mich ein. Zu meiner Freude lähmten mich diese nicht,
sondern liessen meine Neugierde diesem Land und Volk gegenüber wachsen.
In den nächsten 2 Monaten steckte ich meine ganze Energie in die Integration in dieses Leben. Ich
wollte nicht "nur" Englisch unterrichten, ich wollte dazu gehören und das dortige Leben in allen
Fassetten kennenlernen und leben. Im generellen hiess dies, Kommunikationswege zu suchen, in der
die Sprache nicht der Haupt-bestandteil ist. Mit den Kindern ist dies sehr leicht. Malen, tanzen,
singen, spielen, Dorfbesichtigungen und vieles mehr lässt die fehlende Sprache im nu verschwinden.
Die Erwachsenen jedoch sind schwieriger, da für sie die Sprache genauso essenziell ist wie für uns.
Sprache bedeutet Nähe im Erwachsenenleben und diese musste ich nun auf anderem Wege herstellen.
Ich fing also an, mich abends zu meinen Gasteltern zu setzen, zwecks Blumen zusammenzubinden;
lief "meinem" Grosvater nach, wenn er seine Büffel vom Feld in den Stall holte; besuchte Feste
und Partys in den umliegenden Dörfern und bemühte mich, das ihrige Leben als das meine zu akzeptieren.
Dies war manchmal sehr anstrengend, dann wieder sehr lustig und befreiend. In der Schule machte ich
mich zugleich 2 Mal pro Woche in der Küche nützlich, was mir grossen Respekt und Sympathie der Thais
einbrachte und mir einen gratis Kochkurs bescherte.
Im Unterricht war meine Devise: "Ein lachendes Kind lernt besser als ein weinendes." Dies führte dazu,
dass meine Schulstunden in ein wahres Animationsprogramm ausarteten, was sowohl den Kindern, als auch
mir sehr grossen Spass machte. Abends dann im Bett, total müde und erschöpft, kriegte ich nicht selten
einen Lachanfall. Was da wider alles an diesem Tag passiert ist – unglaublich! Trotzdem muss ich hier
noch kurz erwähnen, dass auch ich gewisse Regeln im Unterricht hatte, an die sich die Schüler zu halten hatten.
Meine Anstrengungen und Bemühungen zahlten sich bald aus. Ich wurde akzeptiert und integriert.
Besonders meine Lebensfreude und die Fähigkeit, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen, hatten es den
Thais angetan. Zahlreiche Einladungen zu Familien-essen und Partys waren die Folge. Ich sass stundenlang
mit Familien zusammen, konnte mich fast nur mit Händen und Füssen unterhalten und trotzdem fühlte ich mich
wohl. Bei Partys wurde ich immer als Erste zum Tanzen aufgefordert und die Thais lachten sich krumm ab meinem,
für sie so anderen, Tanzstil. Auch die Kinder tanzten nach kurzer Zeit bereits alle um mich herum und da sie
meine Bewegungen zu imitieren begannen, entwickelten sich Situationen, in denen ich mich vor lachen nicht
mehr halten konnte. Dies wiederum steckte alle umliegenden Menschen an und es endete nicht selten darin,
dass alle, ob jung oder alt, sich schmerzverzehrt die Bäuche halten mussten. :o)
Thailand und die Menschen sind es auf jeden Fall wert, sich näher mit ihnen zu befassen. Ich bin dankbar
und sehr glücklich, diese Zeit verbracht und intensiv genutzt zu haben. Ich konnte meine eigenen Kindheitsträume
in Nang Rong verwirklichen und durfte erleben, wie schön es ist, etwas von sich zu geben, ohne dass das Geld im Vordergrund steht.
Thailand Volunteers Team, ihr habt mir diese unvergessliche, aussergewöhnliche Zeit ermöglicht. Herzlichen Dank dafür!
Das Alltagsleben als Thailand Volunteer in Nang Rong
von Daniela, Sommer 20104:30 Obwohl es noch dunkel ist, erwache ich zum ersten Mal, da sich unsere Hühner ersten Mal bemerkbar und mit ihrem Krähen den Morgen begrüssen. Neben unseren Haustieren höre ich sonst noch weitere Geräusche, aber an die habe ich mich schon gewöhnt und ich drehe mich nochmals auf meinem Bett aus hartem Holz um.
5:00 In Thailand wird es früh hell, schon jetzt erreichen mich die ersten Sonnenstrahlen und lassen mich spüren, dass es heute wieder einen sehr heissen Tag gibt.
5:30 Jetzt ist meine Gastmutter aufgestanden und steht schon in der Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Den Reis hat sie soeben aufgesetzt und nun rüstet sie das Gemüse, holt Eier aus dem Hühnerstall und zerkleinert scharfe Chilis. Für mich ist es aber noch zu früh um aufzustehen, denn die Schule beginnt erst in 2.5 Stunden und so bleibe ich noch etwas liegen.
6:30 Jeden Morgen das gleiche Theater… Ich höre das Geschrei meines kleinen Gastbruders, der nicht aufstehen will. Er verbringt den Tag lieber in der Natur als in der Schule und weigert sich jeden Morgen, seine Schulsachen zusammen zu packen und sich auf den Weg zu machen.
7:00 Nun stehe auch ich auf und dusche mich mit dem kalten Regenwasser. Obwohl die Sonne noch nicht hoch steht, herrscht schon in den frühen Morgenstunden eine Hitze. Ich setzte mich an den selbst gebauten Holztisch in unserem Garten, wo mein Frühstück schon auf mich wartet. Meine Gasteltern sind schon aus dem Haus, um die kostbaren Morgenstunden für die Feldarbeit auszunutzen. Nach dem grosszügigen Frühstück wasche ich meine Kleider, ebenfalls mit dem gesammelten Regenwasser und hänge sie hinter das Haus, damit sie tagsüber trocknen können. Den Rest des frühen Morgens nutze ich, um kurz meinen heutigen Unterricht vorzubereiten.
8:30 Ich schwinge mich auf "mein" Fahrrad und mache mich auf den Weg zur Schule. Schon nach 5 Min. macht mir das tropische Klima zu schaffen und ich beginne, zu schwitzen. Auf dem Weg begegne ich einigen Thais, die mir fröhlich zuwinken und immer ein grosses Lächeln aufgesetzt haben. "Sawadii- kha" antworte ich freundlich und sie lächeln umso mehr.
9:00 Nun habe ich die "Rong Rian" erreicht und höre ein "hello teacher" von allen Seiten. Ein Schüler nimmt mir mein Fahrrad ab und die Kleinsten blicken mich mit grossen Augen aus sicherer Distanz an. Im Korridor treffe ich einige Lehrer, die sich locker unterhalten, mich freundlich grüssen und mich nach meinem Befinden fragen. Eigentlich würden ja jetzt die ersten Lektionen beginnen, doch in Thailand ist man da nicht so genau. Die Kinder spielen weiter im Freien und die Lehrer fahren ihre Kommunikation fort. Man pflegt einen lockeren Umgang miteinander und ich wurde sofort in das Team aufgenommen. Nachdem mich der Schuldirektor kurz über meine heutigen Pläne befragt hat, mache ich mich auf den Weg in meine Klasse und beginne, den Kids einige einfache englische Sätze auf spielerische Weise beizubringen. Sie sind am Anfang sehr motiviert und machen gut mit. Da die Klassen sehr gross sind, bis 40 Kinder, merke ich nach einiger Zeit, dass die hinteren Reihen sich anders beschäftigen und ich muss mir wieder etwas Neues einfallen lassen, um das Interesse der Kids auf mich und das Englisch zu lenken. Doch es dauert nicht sehr lange, und es sind wieder alle dabei und sprechen mir einige Sätze motiviert nach.

12:00 Mittagspause. In thailändischen Schulen essen die Schülerinnen und Schüler zusammen. Die Lehrerinnen schöpfen jedem einen Teller, meistens bestehend aus einem Eintopf mit Gemüse, Fleisch und Gewürzen und natürlich Reis. Nach dem Essen wäscht jedes Kind seinen Teller selber ab und stellt in zum Trocknen an die Sonne, die nun hoch am Himmel steht. Nachdem die Kids versorgt sind, treffen sich die Lehrer an einem grossen Tisch, wo schon eine grosse Auswahl an Essen wartet und tauschen Erfahrungen miteinander aus. Man merkt den hohen Stellenwert des Essens in Thailand; die Köchin hat sich wie immer grosse Mühe gegeben und das Mittagessen dauert meist mehr als eine Stunde.
13:30 Der Nachmittagsunterricht beginnt, auf dem Stundenplan steht Sport. Für mich ist es viel zu heiss, doch die Kids kommen angerannt und schreiben "Football, Football". Auch wenn gerade WM-Zeit ist, möchte ich nicht jedes Mal Fussball spielen und überrede sie zu einem Basketballspiel. Ich beginne mit einigen Auflockerungsübungen, bevor auf die Körbe geschossen wird. Die Schüler sind sich solche Techniken weniger gewohnt, sonst dürfen sie immer drauf los spielen. Doch sie machen mit Begeisterung mit. Eine Sportlektion unter der stechenden Sonne kommt mir sehr lange vor und als die Kinder doch auch zu mir kommen und sagen, es sei "ron" (heiss), begehen wir uns wieder ins etwas kühlere Klassenzimmer und ich lerne mit ihnen ein englisches Lied.
16:00 Der heutige Schultag ist zu Ende, ich verabschiede mich von den Lehrern und mache mich auf den Heimweg. Genau 5 Minuten später, setzt der Tropenregen ein und ich werde völlig durchnässt. Die Strassen füllen sich rasch mit den Wassermassen und den löchrigen Strassen ist es gar nicht mehr so einfach, mein Zuhause zu erreichen. Schliesslich komme ich doch an und ziehe trockene Kleider an. Leider muss ich feststellen, dass auch meine gewaschene Wäsche im Regen steht und so wird sie eben noch einen weiteren Tag draussen hängen müssen.
17:00 Nun habe ich ein bisschen Zeit für mich und lese in meinem Buch. Die ruhige Stunde hält aber nicht lange an, weil mein kleiner Gastbruder nach Hause kommt und mit mir spielen oder die Hausaufgaben machen will. So setzen wir uns auf den Boden und lösen die Aufgaben. Etwas später erscheint auch meine Gastmutter und geht in die freistehende Küche, wo sie das Abendessen vorbereitet. Ich helfe ihr dabei und staune immer wieder, wie man aus so wenig Sachen so leckere Gerichte zaubern kann.
19:00 Nach dem Abendessen sitzen die 2 Söhne vor dem Fernseher. Im Garten haben sich einige Nachbarn versammelt. Einer hat seine Gitarre mit sich und spielt Lieder, die andere mit Gesang begleiten. Zudem wird Karten gespielt und man unterhält sich. Als ich draussen erscheine, werde ich sofort gebeten, auch an ihrer Versammlung teilzunehmen und die sorglose thailändische Lebensweise beindruckt mich einmal mehr.
22:00 Im Dorf ist Stille eingekehrt und es ist Zeit zum Schlafen. Morgen beginnt ein weiterer Tag in Nang Rong und er wird ähnlich ablaufen. Doch er wird voll sein von anderen, neuen Erfahrungen und ich freue mich schon jetzt, wenn ich um 4.30 Uhr die Hühner krähen höre und weiss, dass ein neuer Tag im thailändischen Alltagsleben auf mich wartet.
Wunderschöner Thailandaufenthalt
von Valentina, Januar - Februar 2010
Ohne jegliche Erwartungen, Vorkenntnisse oder Vorurteile bin nach Thailand geflogen und habe
meine Arbeit als Volunteer angetreten.
Die lieblichen Menschen, die intensiven Farben der Natur und das Gefühl, wenigstens für einen
Monat befreit von dem europäischen Überfluss gelebt zu haben, haben einen prägenden Eindruck
auf mich hinterlassen.

See, in der Nähe von Trang bei Sonnenaufgang
Vorbereitung in der Schweiz
Anfangs Dezember treffe ich mich in Bern mit Sarah und Natalie von Thailandvolunteers.
Die Beiden erklären mir lieb, wie ich mir die Arbeit als Lehrerin und das Leben mit einer
Gastfamilie in Thailand vorzustellen habe. Sie decken mich mit Unterlagen ein, die
Informationen zu Land und Kultur und Tips zum Unterrichten beinhalten.
In Zürich kaufe ich mir einen Sprachriegel, er enthält einfache und gebräuchliche
Wörter und Sätze die von Deutsch auf Thailändisch übersetzt werden.
Mitten im Winter und kurz nach meinen stressigen Prüfungen fällt es mir nicht
einfach kurze Hosen, T-Shirts, Sonnenbrille und -creme, Mückenspray und interessante Bücher zu packen.
Ankunft in Thailand
Einen guten Monat später komme ich nach einem langen Flug in Bangkok an. Empfangen werde ich vom heissen, feuchten Wetter und freundlichen, immer lächelnden Menschen. Wenig später sitze ich zum ersten Mal in einem thailändischen Bus. Weil die öffentlichen Verkehrsmittel in Thailand sehr gut funktionieren und super günstig sind, nutzte ich sie noch viele Male während meinem Aufenthalt. Während der ganzen Fahrt schaue ich aus dem Fenster. Was ich sehe ist so anmutig - ich habe Angst, dass ich nicht genug Zeit habe, um mir diese Schönheit einzuprägen. Ich sehe trockene Reisfelder, die immer viereckig angelegt werden und exotische Bäume, die so kräftig grün seind. Männer mit Strohhüten sitzen mit dem Rücken zur Strasse und hüten zwei bis drei Kühe.
Bei Wick im California P. Hostel
Das erste Wochenende verbringe ich bei Wick im California P. Hostel im Rahmen der
Kulturschocktage. Wick ist ein älterer Mann mit zwei Töchtern. Oft wird er von
Rückenschmerzen geplagt und ist deshalb wortkarg. Um so erstaunter ist man, wenn
er nach dem Abendessen spannende Geschichten von Politik und Wirtschaft erzählt.
Er scheint viel zu wissen und ist sich seiner Meinung sicher.
Im Hostel lerne ich das echte thailändische Essen kennen. Jeder bekommt einen
Teller voll Reis und in der Mitte des Tischs stehen kleine Schalen mit Gemüse
und Fleisch in verschiedenen Saucen, von denen sich jeder schöpft. Gegessen
wird mit Gabel und Löffel. In Wicks Hostel lerne ich auch auf Matratzen zu schlafen,
die fast so hart sind wie der Boden. Zudem lerne ich Cornelia, Isabelle und
Stephanie kennen - drei andere Schweizer Volunteers. Wir machen die Erfahrung,
dass man sich als Schweizer im Ausland verbunden fühlt. Nach kurzer Zeit und
intensiven Gesprächen sind wir uns schon erstaunlich nahe.

(von links nach rechts) Valentina, Stephanie,
Tida (Nichte von Wick), Cornelia und Isabelle
Die Gastfamilie
Am Sonntagabend werde ich zur Gastfamilie gebracht. Die Familie Müang spricht
kein Englisch und lebt in Nontakem, einem kleinen Dorf auf dem Lande, etwa zehn
Kilometer von Nang Rong entfernt. Das Haus der Familie ist das Letzte des Dorfes,
es grenzt an Reisfelder. In meinem Zimmer habe ich alles was ich brauche - ein Bett
mit einem Mückennetz, einen Schrank, und eine Kommode mit einem Spiegel. Beim
Schliessen der Vorhänge erschrecke ich, wenn jeweils Eidechsen hervorschnellen.
Das Wohnzimmer ist leer, abgesehen von einem Fernseher, einem Kühlschrank, einem
kleinen Schrank und einer Säule mitten im Raum. Der Boden besteht aus schönen,
blauen Platten, die man in der Schweiz eher in Badezimmern antrifft. Das Bad
ist in einem kleinen Häuschen im Garten. Geduscht wird mit kaltem Regenwasser.
Die Kleider werden von Hand ebenfalls mit Regenwasser gewaschen.

Die Dorfstrasse führt zum Haus meiner
Gastfamilie
Die Familie hat sicherlich nicht viel Geld und wir haben nie die Möglichkeit, miteinander zu reden. Trotzdem geben sie mir immer das Gefühl, willkommen zu sein.
Sie kaufen immer steriles Wasser für mich, bringen mich zum Arzt, wenn es mir schlecht geht, zeigen mir mit dem Velo und dem Roller die Gegend und nehmen mich zu sozialen Anlässen mit.
Die Schule
In der Schule werde ich von den Lehrern, dem Schuldirektor und dem Fizedirektor herzlich
empfangen. Ich bekomme ein eigenes Pult im Lehrerzimmer und einen Stundenplan. Pro Woche
unterrichte ich etwa dreizehn Stunden. Ich sage "etwa", weil ich den Stundenplan
im Lauf der Zeit in Rücksprache mit dem Fizedirektor selber optimiere. So darf ich
schlussendlich alle Klassen einmal unterrichten, das heisst erste Primar bis dritte Oberstufe.
Die Klassen haben unterschiedliche Grössen. Sie bestehen aus etwa knapp zwanzig bis
vierzig Schülern. Die Klassengrösse hat einen grossen Eifluss auf die Konzentration
der Schüler während dem Unterricht. Das Niveau und die Vorlieben der Klassen und Schüler
ist ebenfalls unterschiedlich. Es ist fast unmöglich jedem einzelnen Schüler gerecht
zu werden. Ich handhabe es so, dass ich mich bei Spielen und Themen der Mehrheit beuge.
Der Unterricht in Thailand ist nämlich kein Individualunterricht. Oft schreibt
der Lehrer etwas an die Wandtafel und die Schüler wiederholen es alle zusammen.
Mit meiner weissen Hautfarbe falle ich auf. Schon bald rufen und winken mir die
Schüler auf dem Schulhof zu, wenn ich von einem zum anderen Klassenzimmer laufe.
Ich glaube, dass sie es spannend finden, eine Lehrerin an ihrer Schule zu haben,
die so anders aussieht.

Kinder lesen in der Bibliothek
Ein dreitägiges Klassenlager bei buddhistischen Mönchen bildet einen schönen Abschluss meines einmonatigen Aufenthalts in Thailand. Die Schüler knien von Morgens bis spät Abends vor den Mönchen. Sie werden in gutem buddhistischem Leben geschult. Wir Lehrer sind während dieser Zeit in unserem Tun frei. So unternehme ich mit dem Fizedirektor Exkursionen zu Tempeln.
An einem Abend bekomme ich Besuch von meiner Gastfamilie. Ohne Worte hat mich dieser Besuch sehr gerührt.
Ein Tag im Leben eines Thailand Volunteers
von Isabelle, Januar - März 20108:30 Die Kinder stehen in Reihen auf dem Pausenhof versammelt um vor dem Unterricht gemeinsam Lieder zu singen und zu beten. Sie sehen noch ein bisschen verschlafen aus, probieren aber so anständig wie möglich zu wirken, obwohl sich manchmal der eine oder andere seinen Nachbar an den Haaren zupft. Ich werde von den Lehrerinnen herzlich begrüsst und schaue mit Ihnen der Zeremonie zu.
9:00 Als ich das Klassenzimmer betrete, begrüssen mich die Kinder der zweiten Klasse mit einem Chor von "Good morning teacher!". Ich fange mit dem Englisch Unterricht an und entnehme viele Ideen den Unterlagen, die ich von Thailand Volunteers bekommen habe. In der ersten Stunde war ich sehr nervös, da ich noch nie unterrichtet hatte, aber irgendwie funktioniert es einfach und mit ein bisschen Kreativität und Improvisieren kann man jede Stunde meistern und es macht auch richtig Spass!
12:00 Die Kinder stehen mit einem Tupperware voller Reis vor dem Esssaal an. Die Köchin schöpft jedem einen grosszügigen Löffel Suppe oder leckeren Curry zum Reis. Ich esse mit den Lehrern am Tisch, sie haben mir vom Markt mein Mittagessen eingekauft und ich lasse mich jeden Tag überraschen! Die Unterhaltung am Mittagstisch findet in gebrochenem Englisch und Thai statt und alle lernen jeden Tag neue Wörter und Sitten. Sie reden nie über die Schule oder das Unterrichten, sondern viel über ihre Familien und natürlich über ihr Lieblingsthema: das Essen.
13:00 Es ist heiss und ich bin vom Unterrichten recht erschöpft. Ich fahre nach Nang Rong und gehe mit einer anderen Volunteerin an den Markt wo wir uns eine frische Kokosnuss kaufen, die unseren Durst löscht. Lecker! Auf dem Nachhauseweg halte ich am Bastelladen an und kaufe mir farbige Knete um den Kindern Namen der Farben auf Englisch beizubringen und bereite den Rest des Nachmittags bei der Gastfamilie den Unterricht vor und lese.
18:00 "Isbeeel, eat rice", sagt mir mein Gastbruder. Zeit zum Abendessen!
19:00 Mein Gastvater kommt nach Hause und wir setzen uns vor den Fernseher und unterhalten uns über die aktuellen Nachrichten. Meistens spielt sich das so ab, dass ich ihm langsam auf Englisch ein Wort sage, er es dann im Diktionär nachschlägt und dann zustimmend nickt oder ein anderes Wort als Antwort gibt. Dies war nur am Anfang so, nach einer Weile konnten wir die nötigsten Wörter auf Englisch oder Thai um uns fliessender zu unterhalten.
21:00 An diesem Tag war keine Hochzeit und kein Fest mit Tanzen und Whiskytrinken im Programm, also ging ich früh zu Bett und schlief tief und fest.
An den Wochenenden unternahm ich meist mit den anderen Volunteers und Wick oder mit meiner Gastfamilie Ausflüge. Elefantenreiten in Surin, Tempelbesichtigungen und Shoppen in den nahegelegenen Korat oder Buriram gehörten dazu. Einmal durften wir sogar mit Wick am Morgen die Mönche füttern.
Die Lehrerinnen an meiner Schule schätzen die Arbeit von Thailand Volunteers sehr, englische Lehrkräfte sind für sie wertvoller als Spenden, oft haben sie zu wenig Lehrer für die grosse Anzahl an Kinder. Der Abschied fiel mir sehr schwer, ich hatte die Lehrerinnen, meine Gastfamilie und die Kinder so sehr ins Herz geschlossen und konnte nach dem Festmahl und Karaokesingen das "We will miss you!" nur erwidern.
Ich werde diese sechs Wochen nie vergessen und kann euch das Unterrichten in Nang Rong wärmstens empfehlen. Dies ist nur ein Beispiel von meinem Aufenthalt, jeder wird es anders Erleben und andere Erfahrungen machen, sollt ihr euch dazu entschliessen wünsche ich euch viel Spass! Grüsst die Kinder, die Lehrer, Wick und Pi Mai am Früchteshakestand ganz lieb von mir!
Farang im Land des Lächelns
von Raphael, Dezember 2009 - Januar 2010
Als Farang – wie man als Westler von den Thais genannt wird - in Thailand zu
leben...was bedeutet das? Nun, mein erster Eindruck in Bangkok war eigentlich
folgender: Es geht in erster Linie darum, dich abzuzocken, und das auf so
freundliche Weise, das du es erst im Nachhinein merkst. Doch das ist Bangkok, resp.
ein Teil von Bangkok, denn wie überall in Thailand, gibt es auch dort sehr freundliche
und hilfsbereite Menschen – das sind einfach nicht die, denen man als Tourist zuerst
begegnet.
Die Welt in Nang Rong ist eine völlig andere. Neben der frischen Luft und der
gemütlichen, ländlichen Umgebung ist das erste, was auffällt: Man ist die Attraktion,
wohin man auch geht, man wird angeschaut und von allen gemustert. Dies ist sicher
so, weil nur wenige Farangs den Weg nach Nang Rong finden, resp. überhaupt
suchen. Deshalb ist es hier auch so anders als in Bangkok. Die Leute sind ehrlich,
freundlich und haben grossen Respekt vor dir. Auch wenn ich mich vielleicht
manchmal wünschte, etwas anonymer durch die Strassen gehen zu können, war es
nicht so, dass ich mich durch die Blicke gestört fühlte, denn es waren nicht einfach
nur Blicke, sondern Blicke gefolgt von einem froehlichen "Hello!", Winken und einem
sehr freundlichem Lächeln. Dazu kommt, dass die Thais die weisse Haut und das
europäische Gesicht als sehr "suay" (hübsch) empfinden und so kam es hier oft vor,
dass ich mich fast wie Brad Pitt fühlte, wenn ich jungen Frauen begegnete. Das
ergeht wohl jedem Farang ähnlich, wenn er sich in den Isaan, das Entlebuch von
Thailand, begibt, wo die Farangs trotz der enormen touristischen Entwicklung der
letzten Jahre in Thailand immer noch eine Rarität sind.
Nach der ersten Woche in Nangrong beschloss ich, am Wochenende auf eigene Faust ins Elephant Village nahe Surin, etwa 150 km entfernt von Nang Rong zu gehen. Ich sass da so in einem Songthaew (Pickuptruck mit Längsbänken auf der Ladefläche, der als Bus in die abegelegenen Dörfer fährt) als sich dieses nach und nach mit Thais füllte und ich - einziger Farang weit und breit – mittendrin sass, von allen interessiert angeschaut, und jeder versuchte, sich mit mir zu unterhalten - Ich konnte nur hilflos "Phuut thai mai dai" (Ich kann kein Thai sprechen) von mir geben. Glücklicherweise konnte dann zumindest eine 19-jährige Studentin etwas Englisch und ich konnte mich mit ihr unterhalten, resp. sie fungierte dann so gut es ging als Übersetzerin. Es stellte sich heraus, dass sie ganz nahe dem Elephant Village wohnte und sie bot mir kurzerhand an, mich ins Elefantendorf zu begleiten. Es war ein sehr interessanter und schöner Tag. Nachdem sie mich ihrer ganzen Familie vorgestellt hatte setzte sie mich dann auch wieder ins richtige Songthaew zurück nach Surin.
Dies zeigt beispielhaft, wie hilfsbereit und gastfreundlich die Menschen des Isaan
sind. Und das war wirklich nur ein Beispiel – während diesem Monat in Nangrong traf
ich so viele Menschen, von deren Freundlichkeit sich jeder hier in Europa ein grosses
Stück abschneiden könnte.
Es war einfach nur schön, eine Zeit lang in einer Gesellschaft zu leben, in der
Freundlichkeit das oberste Gebot des zwischenmenschlichen Verhaltens ist, und
dadurch das thailändische Leben weit ab von den Touristenströmen hautnah zu
erleben.
Anekdoten aus dem Leben in Nang Rong
von André, November - Dezember 2009Nang Rong
Nach einem angenehmen Flug in der Business Class (upgrade), einer Nacht in Bangkok, erreichte ich am Freitag mein Reiseziel Nang Rong etwa 300 Km nordöstlich von Bangkok. Dort wurde ich vom thailändischen Volunteer-Vertreter Mr. Wick empfangen und gleich zu meiner Hostfamily gefahren, welche etwas ausserhalb in einem kleinen Dorf wohnt. Natürlich hat es sich schnell herumgesprochen, dass ein Farang eingezogen ist. Wick begleitete die 3 neuen Volunteers das ganze Wochenende und zeigte uns die durchaus interessante Gegend. Ich habe bei ihm gleich für die ganzen 4 Wochen einen Roller für nur CHF 85 gemietet. Hier ist alles bedeutend billiger als im touristischen Thailand, was auch den Reisbauern zu gute kommt. Der Nordosten ist die Reiskammer Thailands. Auf dem Weg zur Schule auf einer Nebenstrasse ist oft nur ein Fahrstreifen befahrbar, weil auf der anderen grossflächig Reis zum trocknen auf Planen ausgebreitet wird. Jetzt ist Reiserntezeit und die Trockenzeit hat begonnen und auf der Strasse habe ich bereits 2 Schlangen gesehen, die hauen aber leider immer sofort ab, so dass ich keine Fotos machen konnte. In den Reisfeldern wimmelt es vermutlich von Schlangen. Seit Montag geben Gabriele und Claudia (sie haben zusammen eine Klasse) und ich Englischunterricht. Zum Glück sind wir an der gleichen Schule. Wir unterstützen uns gegenseitig, unterrichten teilweise zu dritt, assistiert von den Thai Lehrern und gehen zusammen in der Schulkantine essen. Natürlich gibt es jeden Tag Reis, für die Kids mit 1-2 Zutaten, für die Lehrer mit 3-4 Zutaten. Um 8:30 müssen die Kids antraben und sich in Reih und Glied aufstellen, die Nationalhymne singen und die Fahne wird gehisst. Die Schuluniformen machen wie fast überall in Thailand eine sehr gute Falle. Bis jetzt hatten sie jeden Tag eine andere Uniform an und niemand kommt im falschen Tenü. Die Schuhe bleiben draussen und die Kids kommen in den Schuluniformsocken in den Unterricht. Die Lehrer behalten ihre Schuhe an. Hier herrscht noch Zucht und Ordnung, aber nicht zum Leidwesen der Kinder, die kennen nichts anderes, sind zufrieden, gesund und voller Lebensfreude. Pausen- oder Mittagessenaufsicht braucht es nicht. Zum Zmorge und Znacht gibt es natürlich auch Reis. Handys haben nur die Erwachsenen. Wenn ich in der Schule meine zu Hause vorbereiteten Arbeitsblätter verteile, machen die Kinder als Dank den Wai (Hände zusammen gepresst vor die Brust und leichte Verbeugung). Am Ende der Stunde stehen alle auf "thank you teacher" und machen dazu den Wai. Die alten FTI-Trikots fanden im Dorf meiner Gastfamilie grossen Anklang. Sieht toll aus, Thais in gelb-schwarzen Shirts unter Palmen oder im Reisfeld. Wir haben in unseren Klassen 29-36 Schüler! Zähneputzen in der Schule: Um 12:45 ertönt zuerst Musik. Dann holen alle ihre Zahnbürste, Zahnpasta und ihren mit Wasser gefüllten Becher und warten bis die Anweisung zum Putzen kommt. 400 Kinder vor dem Schulhaus am Boden sitzend gemeinsam am Zähneputzen, und die machen das wirklich gründlich. Danach sitzen alle in 2 Reihen, Mädels und Jungs getrennt, im Schneidersitz und beten und preisen den sehr beliebten König. Ich bin viel mit Gabriele und Claudia in der kleinen Stadt Nang Rong unterwegs, meistens sind wir die einzigen westlichen Touris. Ab und zu gönnen wir uns von den Food Stalls fresh pineapple oder knusprige fried chicken. Gabriele und ich werden uns in den nächsten Tagen an die gebratenen Heugümper ranwagen. Über die sehr nette Gastfamilie gäbe es noch viel zu schreiben. Es ist alles so angenehm und friedlich. Vielleicht bin ich zu blauäugig, aber für mich bleibt Thailand das Wohlfühlland!
Schule
Die Schule prägt uns immer noch stark und überrascht immer wieder aufs Neue. Beim Beten nach dem Zähneputzen haben 2 gleichaltrige Schüler mit einer Rute in der Hand Aufsicht über ihre Klasse und dürfen bei Bedarf austeilen. Um 16 h stellt sich die ganze Schule in 2er-Kolonne auf und geht wenn es für die Lehrer ok ist nach Hause. Auch Klassen, die eine Freistunde haben, müssen bis zum Schulschluss um 16h bleiben. Am Donnertag war meine Nachmittagsstunde zu Ende und ich sass noch am Lehrerpult. Zuerst kamen ein paar Girls "teacher welcome volleyball", kurz darauf war meine Klasse wieder vollzählig im Schulzimmer (hatten offenbar eine Freistunde). Englischunterricht wollten sie nicht, aber die CD hören. Zuerst s'Guggerzytli (ku-kuck, ku-kuck, holladi....) fanden sie irre, danach die englischen Songs von Thailand Volunteers. Bald waren 45 Kids, v.a. Mädels, im Schulzimmer und eine Superstimmung. Mit den Thailehrern können wir kaum sprechen....! Sie haben wie auch die Schüler einen grossen Wortschatz, aber Sätze verstehen sie kaum. Trotzdem ist ihre Anwesenheit im Unterricht nützlich, da ich nach wie vor nur wenig Thai kann. Die Sprache ist sehr schwierig, "khao" z.B. hat je nach Aussprache bis zu 7 Bedeutungen. Meine 5. Klassen hat seit der 2. Primar Englisch. Sie plappern aber immer noch Sätze vor sich hin. Fragen werden nicht beantwortet, sondern nachgepleert, Hallo Echo. Ich frage "what day is today" und die echo-loten das fast täglich, anstatt die Antwort zu geben. Die Jungs sind eher faul, die Mädels i.d.R. konzentriert und gut, halt richtige Schätzelis. Ich halte die ganz schön auf Trab, keine Zeit zum träumen. Wer trotzdem träumt, ist schnell mit der kleinen Kreide an der grossen Tafel. Trotz obiger Schwierigkeiten konnte ich das Sprachverständnis schon erheblich steigern. Als kleines Ritual gibts nach jeder Stunde noch s'Elfiglöggli von mir gesungen und die ganze Klasse klatscht dazu.
Homestay
Es gefällt mir ganz gut im kleinen Dorf, eigentlich ist es mehr ein Weiler. Denn jedes Thaidorf hat eine Schule und einen Busanschluss, und beides fehlt in meinem Dorf. Alle helfen sich gegenseitig. Hühner, Küken und Hähne laufen frei herum und gehören doch irgendjemandem. Die schmale Strasse, max. 5m breit ist auch gleichzeitig das "Fussballfeld". Die Goals werden mit Schläppli markiert und gespielt wird natürlich barfuss (auf Asphalt). Alle 3 Strassen enden im Reisfeld. Die Leute gehen um 21h mit den Hühnern ins Bett und stehen bei Tagesanbruch um ca. 6h auf. Die Hähne beginnen so um 4h zu krähen, und da gibt keiner so schnell Ruhe. Um 6:10 wird das ganze Dorf mit irgendeinem Radiosender massiv laut beschallt. Inzwischen habe ich mich an beides gewöhnt und kann meistens länger schlafen als die Thais. Die Gastfamilie ist ungemein freundlich. Als es noch heiss war, wurde mir immer sofort ein Fan hingestellt, die Wäsche wird fast täglich gewaschen und der Food relativ vielseitig gestaltet, allerdings immer mit Reis.
Am letzten Weekend waren wir in Surin, der Elefantenhauptstadt von Thailand. Die Stadt ist ziemlich gross, trotzdem sieht man immer wieder Elefanten, auch auf den Hauptstrassen. Nach einer herrlichen Übernachtung in einem tollen Hotel, mit Pool, fuhren wir am nächsten Tag ins Elephant Village. Die Show mit Fussball-, Dart-, Basketball-spielenden Elefanten war gut. Noch mehr Spass machten aber die fotoverrückten Girl Scouts und der anschliessende Villagebesuch. Vor allem die kleinen Elefanten waren ganz schön frech und haben uns beim Posieren für Fotos ab und zu einfach mal weggeschupst. Gestern waren wir mit Wick, seinen 2 Töchtern und weiteren 4 Teenies am Prasat Phanon Rung, dem bedeutendsten Khmer- Tempel ausserhalb Cambodias.
Boy und Girl Scout Tag an der Schule
Die 1. - 3. Klassen hatten am Freitag Scoutday. Zuerst mussten sie beim Eingang der Schule durch einen gut gestalteten langen Tigerrumpf robben und danach den 20-minütigen Fahnenaufzug ertragen bevor es endlich los ging zum "camp". Auch bei einem Tempel war nochmals 20 Minuten Ansprache. Die Thais sind unglaublich geduldig - auch beruflich, die meisten Läden haben täglich 14 Stunden offen und es macht ihnen nichts aus einfach dort zu sitzen und auf Kundschaft zu warten. Das beste am Postenlauf war das Erfühlen von Kröten, Krabben und Fröschen in verschiedenen Töpfen....die Tiere haben wohl einen Schock fürs Leben, die Kids eher nicht. Danach gabs erstmal für alle Lunch, d.h. für die Lehrer eine grosse Schlemmerei in der Pampa, auch 2 riesige Lautsprecher durften nicht fehlen und 2 Funkmikrofone. Diese dienten uns dann für eine ganz gute Schweizershow mit Swisssongs, bei denen die Jungs und Mädels den Refrain mitsingen konnten oder sich dazu bewegen konnten. Vor allem die Riesenpolonaise mit über 170 Kindern war genial (die haben das nicht gekannt). Claudia, Gabri und ich machten also mächtig Stimmung, die Thailehrer=Scoutguides natürlich auch.
Volunteering in Thailand
von Nadine, Sommer 2008Reise nach Nang Rong
Am 16. Juli 2008 flog ich nach Thailand, um dort als Volunteer-Englischlehrerin zu arbeiten. Mein Zielort war Nang Rong, ein kleineres Städtchen im Nordosten von Thailand. Vom Flughafen Bangkok fuhr ich zum Nordeastern Busterminal um dort einen Bus nach Nang Rong zu nehmen. Das schwierigste dabei war, den richtigen Schalter in dem riesigen Terminal zu finden, was aber mit Hilfe von anderen Reisenden (fast ausschließlich Locals) und Busbegleitern nicht allzu problematisch war. Ich ärgerte mich ein wenig, dass ich den Bus so spät genommen hatte, denn in der Dunkelheit konnte ich die schöne Landschaft, die wir durchquerten, nur erahnen. Zudem war es auch für Wick, den Betreuer der Thailand-volunteers in Nang Rong ein wenig umständlich, mich so spät noch beim Busbahnhof abzuholen. Nach ca 6 Stunden Fahrt kam ich um 01:30 an meinem Ziel an.
Der Aufenthalt bei Wick und der Gastfamilie
Wick ist schon etwas älter, hat zwei Töchter und ist Besitzer eines Youthhostels. Er spricht aufgrund seiner vielen Reisen perfekt Englisch, weiß enorm viel Interessantes zu erzählen und liebt das ruhige Leben auf dem Land. Anfangs konnte ich mit ihm nicht allzu viel anfangen, bis ich merkte, dass aktive Tätigkeiten wie Ausflüge machen, wandern (und auch arbeiten)...usw. nicht gerade sein Ding sind, sondern aber diskutieren, erzählen und philosophieren über sämtliche Themen. Wer also in Wicks Hostel nach Beschäftigung sucht, der muss entweder selbst ein bisschen mit dem Fahrrad/Roller Erkundungen machen gehen oder den Redefluss des manchmal etwas mürrisch wirkenden Thais in Gang bringen.
Während meines Aufenthalts lebte ich unter der Woche bei einer Gastfamilie, die in meinem Fall aus einem Ehepaar bestand, dessen Kinder schon ausgezogen und am studieren waren. Die beiden waren sehr freundlich und schauten, dass ich mich in meinem neuen zu Hause wohl fühlte. Ich bekam auch gleich einen Nickname, Nam Phon (=Regenwasser), wie ihn fast jeder Thai hat. Leider gab es aber auch ein kleines Missverständnis zwischen ihnen und Wick wegen der Bezahlung meines Unterhalts, was aber am Ende auch geklärt werden konnte. Wer mit Locals zusammen lebt wird bald merken, dass Geld in der thailändischen Gesellschaft zwar ein Tabuthema ist, aber dennoch eine wichtige Rolle spielt.
Die Schule
Die Schulen in den ländlichen Regionen Thailands sind eher ärmlich, es mangelt an allem,
was die Materialien, aber zum Teil auch die Lehrkräfte betrifft. So ist es beispielsweise
üblich, dass sich ein/e Lehrer/in der Klasse etwas zu Malen gibt und sich draufhin einfach
mal verzieht. Oft können die Englischlehrer gar kein Englisch, niemand kann den Kindern erklären,
wie die westliche Sprache genau funktioniert. Sie begreifen nicht, dass man Wörter verschieden
betonen kann, ohne dass sie die Bedeutung wechseln. Die Kinder müssen mit europäischen Lehrmitteln arbeiten,
in welchen sie Wörter wie Brot, Schnee und Skifahren lernen, was ihnen in Thailand natürlich herzlich wenig bringt.
Man sieht sich also einer scheinbar unüberwindlichen Sprachgrenze und einem gewaltigen Manko an funktionierendem
Schulwesen gegenübergestellt. Was heisst, dass man sich anfangs sehr machtlos fühlt. Aber dann wird man überrascht,
jedenfalls war es in meinem Fall so: die unglaubliche Herzlichkeit der Lehrer/innen und der Kinder, die auch riesiges
Interesse an der aus einer fremden Kultur stammenden Lehrperson zeigten, machte alles wett. Jedes mal, wenn ich am Morgen zur
Schule kam, rannten mir duzende Kinder entgegen, die "Teacher, teacher!" riefen und mich wie eine Heldin feierten.
Die Lehrer nahmen mich mit zum Essen, schlossen Freundschaft mit mir und wollten mir helfen, wo es nur ging.
Alle wollten hören, von dem Essen, dem Wetter, den Häusern und den Leuten in der Schweiz. Fotos stellten sich
als das beste Mitbringsel heraus (ist also gar nicht nötig ein Schweizertaschenmesser mitzubringen:-)).
Schon nur das Gewöhnen an eine fremde Person dürfte für die Kinder eine gute Erfahrung gewesen sein.
Auch wenn man sich das schlecht vorstellen kann, aber mit wenigen Brocken Thai und Englisch, Händen
und Füssen und natürlich einem ehrlichen Lächeln lassen sich tolle Unterhaltungen führen!
Der Unterricht
Der Unterricht begann stets damit, dass die Klasse sich erhob und auswendig den allmorgendlichen Spruch: "Good morning teacher, how are you?" aufsagte. Dann begannen sie, die sechzig Minuten, die manchmal endlos langsam und manchmal auch in Windeseile vorbeigingen. Ich musste lernen, dass man lieber zu viel als zu wenig für eine Stunde vorbereitet. Ich machte Spiele und Rätsel, sang Lieder und bastelte mit den Kindern. Da viele von ihnen kreative Köpfe waren, mochten sie es besonders zu zeichnen. Damit ließ sich eine Stunde locker herumschlagen, alle hockten zeichnend an ihren Pulten, oder am Boden vor der Wandtafel, um das, was ich vorgezeichnet hatte abzuzeichnen. Aber selbst thailändische Kinder raufen sich ab und zu gerne oder haben überschüssige Energie, die sie mit Herumalbern und Gejohle loswerden wollen. Man muss also auch starke Nerven an den Unterricht mitbringen. Wer aber nicht gleich an die Decke geht und vielleicht auch mal ein gelassenes Lächeln für die manchmal dummen Spässe der Rasselbande übrig hat, bringt die Situation schnell wieder unter Kontrolle. Und wenn’s ganz laut und unangenehm wird, kommt einem schon mal eine Lehrerin zu Hilfe, welche die Klasse mit bedrohlichen Gesten (zB.einen Bambusstock schwingend) wieder ruhig stellt. Und sonst gab’s ja noch Wick, er wusste immer Rat.
Am besten überlegt man sich schon zu Hause ein wenig, was man mit den Kindern machen will. Zum Beispiel organisiert man eine CD mit Kinderliedern oder man lässt sich gleich selbst ein Spiel oder ein Thema zum Malen einfallen.
Thailand als Reiseland
Da man als Volunteer nicht gerade als der 0-8-15 Turi durchgeht, dürfte man wohl vom Leben der Thais einen etwas
tieferen Einblick erhalten. Das fängt schon beim Kulinarischen an. So kann man Spezialitäten essen, die es
in Bangkok in kaum einem Restaurant zu bestellen gibt. Manch einer wird nicht fassen können, welches tolle
Essen man mitten im Bauernkaff zu mickrigen Preisen erhält. Frische ist garantiert!
Dann natürlich die freundliche Neugier der Leute. Obwohl sie kaum ein Wort Englisch können, wollen sie
sich mit einem unterhalten, was zu meist lustigen Situationen führt. Aggression oder Unfreundlichkeit
habe ich auf dem Land nicht einmal angetroffen.
Selbst als alleinreisende Frau hat man in Thailand kaum Probleme. Dass sich im Süden ein junger Thai
für einen interessiert, kann schon mal passieren. Aber allgemein scheint zu gelten, wer sich in Thailand
richtig verhält und den Leuten auch mal zulächelt, kann sich sicher fühlen.
Ich habe einmal eine Reise mit dem Bus zur Insel Koh Chang unternommen um ein paar Freunde zu treffen.
Das verlief ganz glatt, bis auf eine Panne, von einem etwas gar alten Bus.
So sieht es also für mich nach einem halben Jahr aus: in Thailand, einem paradiesisch schönen Fleckchen Erde, habe ich sehr viel über eine Fremde Kultur aber auch über mich selbst gelernt. Die Kinder und auch die Lehrer und Wick vermisse ich schon ab und zu mal. Unglaublich, wie sehr ich diese Leute und dieses Land in so kurzer Zeit ins Herz geschlossen hatte.






































